Mutzubunt

#Mutzubunt | Nein, ich färbe nicht ab

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass er für mich immer wieder auch therapeutische Funktion erfüllt… ein Thema köchelt in mir, weil es von verschiedenen Seiten auf mich zukommt und irgendwann läuft das Fass über und ich muss es mir von der Seele schreiben. Heute am Menü: #Mutzubunt

Was mich seit Jahren beschäftigt und sich immer mehr zuspitzt ist die Art und Weise, wie im Burgenland (da kenn ich mich halt aus – möglicherweise auch anderswo) mit Menschen die sich für eine andere politische Farbe engagieren umgegangen wird. Eine andere Farbe als jene, die an der Macht ist und an den Geld- und Fördertöpfen sitzt. Was ja wechselt.

Mir begegnet das Thema auf verschiedenen Ebenen. Da ist einmal die höchst persönliche. Ich seh mich als Unternehmerin, die sich politisch engagagiert. Mein Engagement ist erweitertes Ehrenamt, aber mein Einkommen bestreite ich zu über 75% aus unternehmerischer Tätigkeit. Und ja, ich habe immer wieder Aufträge von öffentlicher Hand oder landesnahen Betrieben – weil da gott-sei-dank Menschen entscheiden, die sehen, was ich kann und dass ich meine unternehmerische Tätigkeit und mein politisches Engagement ganz klar trenne. Das gehört für mich zu Professionaltiät dazu und anders würde ich es auch selbst nicht haben wollen. Ein Beispiel: ich würde nie eine der Frauen aus dem Projekt „Gründen für Frauen im Burgenland“ aktiv ansprechen, ob sie für die Grüne Wirtschaft bei den Wirtschaftskammer-Wahlen antritt. Das ist ein No-Go in meinen Augen.

So dankbar ich bin, dass es immer wieder mutige AuftraggeberInnen gibt, so bewußt ist mir auch, dass ich schon einige Aufträge nicht bekommen habe. Weil sich z.B. Organisationen die von Landesförderungen abhängig sind, fürchten dass sie diese verlieren. Mir ist noch kein Fall bekannt, wo das stattgefunden hat, aber die Angst ist da.

Jetzt im Moment bekomme ich sie gerade zu spüren im Zusammenhang mit dem Projekt FreuRaum, das ich gemeinsam mit einem Team aufbaue. FreuRaum ist unpolitisch – 50 Menschen haben sich bereits angemeldet, um Genossenschaftsanteile zu kaufen, viele andere interessieren sich dafür, den Raum zu nutzen. Sind das alles Grüne? Sicher nicht… Aber das Gerede läuft schon, es sein ein „grünes“ Projekt mit der Folge, dass Menschen die mitmachen wolle, blöd angeredet werden. Manchmal denke ich mir, die Angst ist, ich könnte abfärben… Und wenn das in Einzelfällen so ist, was ist so schlimm daran?! Die Grünen sind im Moment weit davon entfernt, die Weltherrschaft zu übernehmen 😉

Bei einzelnen GenossenschafterInnen ist auch die Sorge da, dass der FreuRaum als SocialBusiness die dringend nötigen Förderungen nicht bekommt, weil die Vergabekommission landespolitisch besetzt ist und ich als Obfrau eine nicht oportune Grüne bin. Ich will im Sinne aller Beteiligten hoffen, dass das keine Rolle spielt und das die Jurys sachlich entscheiden.

Reine BerufspolitikerInnen werden von der Gesellschaft oft abschätzig betrachtet. Da heißt es dann „wer nix g’scheits g’lernt hat, geht in die Politik“. Das ist aus meiner Sicht eine Fehleinschätzung, weil gerade die politische Arbeit sehr viel Wissen und Kompetenzen erfordert. Doch worauf ich hinaus will ist, dass unser System trotz schlechtem Image von BerufspolitikerInnen, Uniformität und Gehorsam belohnt. Das bekommen jenen besonders zu spüren, die sich neben einer selbständigen oder unselbständigen Arbeit politisch engagieren, Wer die „richtige“ Farbe hat, bekommt gute Jobs oder Aufträge und wird vor den Vorhang gestellt. Wer die „falsche“ Farbe hat, wird betreten akzeptiert.  Es ist schon öfter vorgekommen, dass Menschen, die einem anderen politischen Lager zugerechnet werden und mit mir befreundet sind, gefragt wurden, was sie denn mit „der Grünen“ zu tun hätten? Manchmal von den direkten Vorgesetzten und selten mit wohlwollendem Unterton. Da ist sie wieder, die Angst vor dem Abfärben…

Ich weiß auch, dass die Medien es nicht so leicht mit mir haben. Da kommt von „der Grünen“ nicht nur Grünes daher, sondern sie schreibt Bücher, gründet den FreuRaum, macht mit einer App-Idee den 2. Platz bei einer StartUp-Challenge, organisiert einen Kleidertausch und Benefiz-Veranstaltungen für die Sonnenland Schule und vieles mehr. Schön blöd, wenn sich jemand so engagiert und nicht „richtig“ gefärbt ist…. Man hört es ja nur über 100 Ecken, aber es soll schon mal in den diversen Redaktionen angerufen worden sein, wenn zu viel „grüne Farbe“ verwendet wurde… Immerhin sind gerade die Regionalmedien ja auch von Werbeeinschaltungen derer, die an den Geldtöpfen sitzen, abhängig.

Doch genug von mir gesprochen – ich bekomme so viel positive Bestätigung für das was ich tue und wie ich es tue und ich kann gut leben, von den Aufträgen, die ich als Unternehmerin habe. Und ich habe auch die Energie und die Resilienz, mit Widerständen umzugehen (mal besser, mal schlechter). Was mich jedoch wirklich traurig stimmt ist, wenn ich sehe, wie viele Menschen an diesem Farb-Kategorisierungssystem leiden. Und da geht es ja nicht nur um Grüne! Das betrifft Rote in einer schwarzen Gemeinde, schwarze Vereine im Land, Blaue in der Wirtschaftskammer…. Wie viel Know-How ist das schon verloren gegangen! Was so manche Herren und womöglich auch Damen (wobei da mache ich eher postive Erfahrungen, dass die Sache über der Farbe steht) noch nicht verinnerlicht haben ist, dass Demokratie Vielfalt ist . Ja sein muss, wenn sie funktionieren soll!

Wie trostlos ist das Bild der „grauen Herren“ in in Michael Endes Kinderbuch „Momo“ – Uniformität tötet das Lebendige. Ich finde, man muss über diese Thema sprechen – offen und laut! Solange sich Menschen, die von Aufträgen der öffentlichen Hand abhängig sind nicht trauen, zu ihrer politschen Gesinnung zu stehen, aus Angst um ihr persönliches Überleben, solange gehen allen politischen Farben motivierte und engagierte kluge Köpfe verloren! Wer lange in Deutschland oder nordischen Ländern gelebt hat, ist immer wieder erschüttert über unser enges System der Freunderlwirtschaft, wo Druck ausgeübt und Vielfalt unterdrückt wird. Anderswo ist es völlig normal, das Jobs und Aufträge nach Expertise und Fähigkeiten vergeben werden, da wird nicht nach einem Parteibuch gefragt, niemandem wird eine Mitgliedschaft aufgezwungen oder überhaupt darüber gesprochen. Wenn wir uns weiterhin fügen, wird sich dieses System nie ändern und eine Entwicklung zu einer offenen, zukunftsfähigen Gesellschaft voller Talente und Möglichkeiten verhindert.

Ich freue mich, wenn dieser Beitrag fleißig geteilt wird und eine Art #metoo Bewegung auslöst! Nur was offen ausgesprochen ist, kann Veränderung herbeiführen. Ich wünsch es mir sehr für ein BUNTES Burgenland! #Mutzubunt

 

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